Juni 2009 - Tagestrip
nach England - Hannover - Bremen - London Stansted -
Zum zweiten Mal nach Harlow, Essex, Greater London Area
Erneut habe ich mich für Harlow (w) entschieden. Never change a winning team-mäßig. Harlow erwies sich bei meinem ersten Besuch vor gut vier Monaten (Bericht) wie erwartet als schmucklos, seelenlos, geschichtslos und zugegeben: unansehnlich bis bronxig. Wobei allgemein bekannt sein dürfte, dass mir bronxig gut gefällt. Den Sportsdirect fürn Shoppingrausch, besser sogar als sein Bruder in Cambridge, gibt es da auch. Also, hin da. Um halb sechs falle ich aus den Federn und latsche zum Hannoverschen Hauptbahnhof. Der RE wird mich um 6.17h nach Bremen bringen.
Richtig. Kurz nach acht befinde ich mich schon in der Hansestadt Bremen. Hier haben Buzz und ich schon etliche gelungene Parties gefeiert.
Das Wetter zeigt sich von seiner schönsten Seite. Zumindest in Bremen. Mal sehen, wie es in England sein wird. Trotz des Sonnenscheins habe ich keine Lust auf den Fußmarsch zum Flughafen.
Ich bereite stattdessen der Tradtion eines guten alten Kieler Blackriders, der ich viele Jahre außerordentlich erfolgreich war, die Ehre. Bin dennoch, die Fahrt verlief recht spannungs- und ereignislos, viel zu früh am Flughafen. Also nutze ich die Zeit, um die vor dem Balkantrip im Februar 2008 (Bericht) vorhandene, ehemalige Baustelle zu besuchen. Mal schauen, was sich innerhalb der letzten fast anderthalb Jahren so alles geändert hat.
Baustelle vor dem Bremer Flughafen, Februar 2008...
... und im Juni 2009
Den Flughafen und seine Umgebung erkenne ich kaum wieder. Da hat sich die Umgestaltung aber wirklich gelohnt. Alles total schön anzusehen und nicht nur das: hier kann man allerbest abasseln. Und das könnte, wir wollen es nicht hoffen, irgendwann mal wichtig sein. Bis jetzt hat die Rückkehr trotz der sehr knapp bemessenen Zeit meist geklappt, aber wer weiß, was die zukünftigen England-Tagestrips bringen. Buzz zum Beispiel hat hier schon mal stylo unter einem Bauwagen übernachtet. Na ja, was heißt übernachtet, er hat bei Regen im November fünf Stunden überbrückt. Ging halt nicht anders. Habe wenig Bock, den heutigen Tag genauso zu beenden und hoffe, dass ich es wieder zurück nach Hannover packe. Will die Nacht nicht, wie nach dem Cambridge-Tagestrip (Bericht vom allerersten England Daytrip im Oktober 2008), zinelesend in einem Wartehäuschen auf dem Verdener Bahnhof sondern im eigenen Bett verbringen und drücke deshalb prophylaktisch schon jetzt die Daumen.
Baustelle - die Brücke im Februar 2008...
... und im Juni 2009
Von der neuen Umgebung bin ich total begeistert. Am Infoschalter der Stadt Bremen im Terminal des Flughafens gönne ich mir eine Fahrkarte für die Rückfahrt mit der 22:44er Straßenbahn. Habe schließlich die Daumen gedrückt und gehe einfach mal optmistisch davon aus, diese und damit auch den letzten Zug zurück nach Hannover, den 23.11er RE zu erwischen.
Die Schlange am Check In ist kurz. Gürtel, Handy, Kamera und so in eine Plastikkiste, die altgediente Hüpferlitasche in eine weitere und schon kann ich ohne Piepen durch den Detektorbogen schreiten. Gürtel wieder in die Hose, Sachen verstauen, das Scheißhaus beehren, durch die Passkontrolle, einen der meiner Meinung nach zu wenigen Plastiksitze entern und solange Wurzeln schlagen, bis das Boarding beginnt. Wie immer.
Ebenfalls wie immer
stehen fast alle Esel sich die Beine in den Bauch, obwohl der Flieger noch nicht
mal gelandet ist geschweige denn die Passagiere aus Stansted ausgespuckt hat.
Im Endeffekt, der Flug hat eine halbe Stunde Verspätung, lungere ich eine
geschlagene Stunde auf meinem Stuhl herum und finde das unbequem. Ich frage
mich, ob sich die Leute, die dicht an dicht gedrängt anstehen und ihre
Position aggro zu verteidigen und in jedem Fall, koste es was es wolle, zu halten
bereit sind, wohlfühlen. Ob die noch ganz dicht sind, frage ich mich nicht,
denn das können die bei den eigens zur Schau gestellten Hass- und Nerv-Visagen
nicht sein. Wie kann man einen Tag bloß freiwillig so gestresst beginnen
lassen?
Okay, es gibt keine festen Sitzplätze an Bord und es gilt das "first
come - first serve"-Prinzip, aber auf einem gut einstündigen Flug
ist es doch vollkommen egal, wo man sitzt, oder? Schwangere, gebrechliche und
behinderte Fluggäste mal ausgenommen. Ich raffe es einfach nicht und beobachte
das Treiben um mich herum, wie immer mit einer Mischung aus entsetztem (innerlichen)
Kopfschütteln und Belustigung.
In Stansted gelandet schiebe ich den Reisepass durch den Schlitz an der automatischen Einreiseabfertigung für EU-Bürger, werde fotografiert und staune über die Ähnlichkeit der eiskalten, emotionslosen Zombievisage im Pass und meinem aktuellen Gesichtsausdruck. Dabei habe ich doch gar nicht stundenlang in der Warteschlange vor dem Boarding im Bremer Abflugterminal gestanden und die berühmten Stationen Euphorie - Enttäuschung - Frust - Wut - Resignation wie die stehenden Esel durchlaufen. Wie auch immer, ich latsche schnellen Schrittes zur Railway Station des Airports, kaufe mir mein Retour-Ticket "Off Peak" für 7,50 GBP und werde dieses Mal nicht gefragt, ob ich wirklich vorhabe, nach Harlow Town zu fahren. Ich bin eine Minute vor Abfahrt des Stansted Expresses am Gleis.
Stansted Express, aufgenommen am Gleis im Bahnhof des Stansted Airports, Februar 2009
Auf den allerletzten Drücker hüpfe ich gerade eben noch in jenen hinein, da geht auch schon die Tür zu und ab geht die kurze Fahrt in die authentisch englische Vorortbronx meiner Wahl.
In Harlow Town verlasse ich als einziger Fahrgast den Stansted Express und warte, bis der Zug den Bahnhof verlassen hat, um den Style in aller Ruhe aufsaugen und mich akklimatisieren zu können.
Endlich wieder in Harlow!
Im Hintergrund, über den Gleisen sehr schön zu erkennen: die extrem stylishe Fußgängerbrücke, eine helle Freude, dieses prächtig-monumentale, funktionale und meines Erachtens nach wunderschön bronxige Bauwerk. Für mich persönlich das Wahrzeichen der Stadt schlechthin.
Ich bin wieder da!
Yeah! Einziges Manko: es ist hier in Harlow viel wärmer als in Hannover,
viel wärmer als erwartet. Und ich stehe nun da in meiner langen Hose,
dem langärmeligen Hemd und schwitze. Habe sogar den Fleecepullover dabei.
Im Juni. In England. Ich Ochse. Maximal die Regenjacke (übrigens: gekauft
im Februar in Harlow) hätte Sinn gemacht.
Mit Schweißplacken unter den Achseln mache ich mich auf den Weg ins
Zentrum und benutze freestylemäßig einen neuen, komplett unbekannten
Weg. Eine clevere Entscheidung.
Erstens ist der Weg wesentlich ruhiger als die Route an der Hauptstrasse entlang, zweitens ist er wesentlich abwechslungsreicher und drittens begegnen mir kaum Leute, die mein durchgeschwitzt-fleckiges-hellblaues-Langarmhemd anstößig bzw. zum Schlapplachen finden können.
Die frisch ausgewählte Strecke führt mich quer durch den Harlow Town Park. Ein überraschend gepflegter, weitläufiger Park, in dem es ein Streicheltiergehege für die kleinen Stadtbewohner und durchaus hübsch angelegte Teiche und Pflanzenarrangements zu sehen gibt. Außerdem finden Teenies und Skater hier Plätze zum Austoben in Form von Skate-Rampen und versteckten Spielplätzen. Die Gegend ist nicht videoüberwacht, das reicht im Grunde genommen schon. Etliche schäbig-lausige Graffittis, die den Namen nicht verdienen und stillose Tags verzieren die wenigen Mauern und Wände. Auf diese Weise gewinnt die Gegend an bronxigem Charme, aber das sieht außer mir wohl kaum jemand so.
Nach dem Spaziergang durch den Park stoße ich unvermittelt auf Wohngebiet.
Auf teils ziemlich rottes Wohngebiet. Klar, dass es mir gefällt.
Der Oberknaller ist das Wohnhaus mit integrierter Passage, nicht weit vom lokalen Sainsbury Superstore entfernt gelegen. Eines der Bauwerke, die ich zu gern mal von innen sehen würde und für die ich Harlow liebe. Nur ein einziges Mal auf einem der Balkone sitzen, schön mit Buzz oder Nitusz abasseln, vorglühen und dann die lokale Disco namens Liquid (von diesem Wohnhaus übrigens läppische zehn Gehminutenrocken entfernt) entern, das wäre was. Das wäre zu schön, um wahr zu sein.
So, wie ich heute ausschaue, kann ich gar nichts rocken. Habe mir heute in der Früh ausgerechnet eines der Hemden ausgesucht, auf denen sich winzigste Tröpfchen binnen weniger Sekunden zu riesigen Lachen ausdehnen. Ich brauche was neues zum Anziehen. Das Problem wird sich schnell lösen, denn mich zieht es zum lokalen, gutsortierten Sports Direct.
Harlow, Essex, Greater London, ZOB
Harlow, Essex, Greater London, eines der Wahrzeichen der Stadt: die seltsame Skulptur auf dem Marktplatz
Harlow, Essex, Greater London, Marktplatz im Herzen der Stadt
Harlow, Essex, Greater London, Fußgängerzone bzw. Einkaufsstraße
Gemäß Wikipedia ist die Fußgängerzone in Harlow übrigens die erste und somit älteste dieser Art in ganz England. Sozusagen das Pendant zur Kieler Holstenstraße. Eines jedenfalls ist klar. Man kann hier echt gut shoppen und die Preise sind, nicht zuletzt dank des derzeit für Besucher aus Euro-Ländern sensationell vorteilhaften Währungskurses, ausgesprochen vorteilhaft sprich: niedrig!
Harlow, Essex, Greater London, Fußgängerzone bzw. Einkaufsstraße
Der SD ist wie immer
eine wahre Fundgrube. Gut, dass meine altgediente Hüpferlitasche (Foto;
meine ist die von 1995, die weiß-gelbe) auf der Anreise noch halbleer
war. Sie füllt sich innerhalb der nächsten Stunde bedrohlich und
droht zu platzen.
Habe eh keinen Stauraum mehr für weitere Klamotten, also latsche ich
nach dem obligatorischen SD-Shopping-Rausch zum Sainsbury´s Superstore
Harlow Town.
Brauche noch Proviant für den ebenfalls obligatorischen Diary-Assel-Style am modrigen Gammelfluss, bei den Gleisen und in der Nähe der monumentalen Fußgängerbrücke.
Sainsbury´s Superstore, Harlow Town
Die von mir so heiß und innig(s)t geliebte, monumentale Fußgängerbrücke über die Gleise des Stansted Express
Im Juni ist´s unerwartet heiß im Dschungel des Marshgate Spring Nature Reserve in Harlow - gut, dass ich das unvorteilhafte hellblaue Hemd gegen ein brandneues Karrimor-Shirt tauschen konnte...
Marshgate Spring Nature Reserve in Harlow
Das Gepäck
muss noch reduziert bzw. vernichtet und platzoptimiert verstaut werden vor
dem Rückflug von Stansted nach Bremen,
um als Handgepäck seitens Ryanair akzeptiert zu werden
Hier in der vollen Pracht und Herrlichkeit: die von mir so heiß und innig(s)t geliebte, monumentale Fußgängerbrücke über die Gleise des Stansted Express
Welch Style!
Blick von der geliebten Fußgängerbrücke auf die Gleise des Stansted Expresses und den Bahnhof Harlow Town
Einfach nur stylish! Authentisch englische Bronxatmosphäre in absolut vollkommener Vollendung!
Wunderschön!
Great!
Ein von Menschenhand geschaffenes Monument inmitten der "flatter area
next to the railway line", in der auch die gemütliche Harlower Asselbank
Nummer eins zuhause ist
Was soll ich sagen? Einfach nur unbeschreiblich schön, dieses einzigartige Bauwerk!
Harlow Town Park - Stilloses Tag
Die Harlower Asselbank schlechthin. Die Nummer Eins. Bereits im Februar 2009 getestet (Foto 1 - 2 - 3 - 4 - 5 ) und für sehr gut befunden!
Hinter mir rauschen die Züge von und nach London vorbei
Bei den sommerlichen Temperaturen muss ich zwangsläufig, zumindest vorübergehend, das Outfit wechseln
Irgendwie habe ich Hummeln im Mors. Will die nähere Umgebung, das Marshgate Springs Naturreservat genauer unter die Lupe nehmen und schultere die Taschen. Zeit genug habe ich. Ich mache mich auf die Socken und inspiziere die nahe Umgebung. Landschaftlich wenig reizvoll, aber durchaus interessant. Jede(r) Entgegenkommende grüßt übrigens freundlich. So soll es sein. Mir fällt wieder einmal die erlesene Höflichkeit der Briten auf. Ich liebe diese, sei sie auch noch so oberflächlich und teils geheuchelt.
Besonderes Interesse habe ich am River Stort, der sich als unansehnlich, grün, stinkend und träge entpuppt.
River Stort, Harlow
Der Name ist Programm, wenn ich in Harlow weile...
Weil die Brücke
so schön ist und hier noch einmal aus einer bislang unbekannten Perspektive
aufgenommen wird:
die so heiß und innig(s)t geliebte, monumentale Fußgängerbrücke
über die Gleise des Stansted
Express in Harlow, Greater London, Essex
Harlow, River Stort: Hafen für Freizeitkapitäne und die letzten Binnenschiffer. Leider gibt es hier keine brauchbaren Plätze bzw. Bänke zum Asseln und Seitenfüllen. Außerdem besteht von dieser Seite aus keinerlei Möglichkeit, den Bahnhof von Harlow Town direkt zu erreichen. Weshalb auch immer.
Leider nirgends Bänke oder sonstige Asselgelegenheiten
Von dieser Seite aus besteht wie gesagt, warum auch immer, keinerlei Möglichkeit, den Bahnhof von Harlow Town direkt zu erreichen
Der Fluss namens Stort scheint bei Freizeitskippern und Hausbooturlaubern recht beliebt zu sein, bietet aber nirgens adäquate Asselplätze
Aus diesem Grund kehre ich nach dem ausgiebigen Spaziergang zur angestammten Asselbank am Moderbach, in dem die gute alte Casio-Digicam versunken ist, zurück. Habe leider, die Zeitspirale dreht sich wie immer mit zunehmender Uhrzeit expotentiell schneller, kaum noch genug Zeit für einen gebührenden Style.
Zurück am altehrwürdigen Platz in den Marshgate Springs, Harlow Town
Es ist wie immer. Zum Ende hin wird die Zeit mehr als nur knapp. Wie gern würde ich jetzt wieder Sekunden gegen Minuten tauschen können. Seiten lassen sich in Rekordzeit füllen. Styles aufsaugen und genießen. Rechtzeitig begebe ich mich auf die Fußgängerbrücke, denn dort will ich mich, der Tradition verpflichtet, von Harlow (für heute!) verabschieden.
Darf bloß nicht wieder von oben herab auf die Gleise pissen. Könnte dabei die Stromleitungen treffen. Will nicht gefrizzelt werden.
Altgedient! Unverzichtbar!
Perfekt!
Mein treuer Begleiter seit gut 13 Jahren!
Abschied von Harlow,
diesmal im Hellen. Juni 2009.
Im Dunklen ist´s stylisher!
Krass geil oder oberkrass geil, die Pedestrian Bridge in Harlow, Greater London?
Die letzten Meter zum Bahnhof von Harlow lege ich im Eilschritt zurück. Stelle mich ans Gleis, in zwei Minuten wird der Stansted Express aus London einrollen und mich zum Flughafen bringen. Soweit die Planung. Leider stehe ich Depp am falschen Gleis. Der Zug fährt ohne mich ab und ich muss eine halbe Stunde auf den nächsten warten. Besorgniserregend, denn die Zeit bis zum Schließen des Gates beträgt ab meiner unfreiwillig verspäteten Ankunft nur noch gut zehn Minuten.
Und von der meist stark frequentierten , intensiven Sicherheitskontrolle zum Gate ist es ein weiter, stressiger Weg. Hoffentlich geht das gut.
London Stansted Airport
Kaum am Flughafen eingerollt, sprinte ich zur Sicherheitskontrolle und von dort zum Gate, wo just im Moment meines Eintreffen das Boarding startet. Hätte keine fünf Minuten später kommen dürfen.
In Bremen klappt der Transfer zum Bahnhof zeitlich problemlos und so sitze ich letzten Endes glücklich und zufrieden im RE nach Hannover, lasse den Tag Revue passieren und freue mich bereits auf den nächsten Tagestrip nach England.
Epilog:
Nur eine Woche später war ich wieder auf der Insel und gönnte mir endlich London. Für einen Tag. Bei bestem Wetter. Das einzige Problem war...
- demnächst hier nachzulesen -